Nischen-Werbeplattformen: Warum Agenturen bei Google und Meta bleiben – und was das kostet
Google und Meta sind die teuersten Auktionsmärkte überhaupt, weil dort die meiste Konkurrenz stattfindet. Warum viele Agenturen trotzdem nicht über den Tellerrand schauen – und wo sich das lohnt.
LR
Fachbeitrag vonLeadRaum Redaktion
Die LeadRaum Redaktion bündelt Erfahrung aus über einem Jahrzehnt Performance Marketing, Kampagnensteuerung und Vertriebsprozessen. Alle Beiträge werden vor Veröffentlichung fachlich geprüft und regelmäßig aktualisiert.
Fachredaktion Marketing & Vertrieb·Veröffentlicht am 04. August 2026··9 Min. Lesezeit
Kurz beantwortet: Die meisten Agenturen bieten ausschließlich Google Ads und Meta Ads an, weil sich für diese beiden Plattformen Prozesse, Vorlagen und Personal am besten skalieren lassen. Nischenplattformen wie Microsoft Ads, Pinterest, LinkedIn, Reddit oder branchenspezifische Portale bleiben deshalb meist unbetreut, obwohl dort in vielen Branchen wegen geringerer Konkurrenz niedrigere Klickpreise und teils bessere Abschlussquoten erreichbar sind.
Das Wichtigste in Kürze
Google und Meta decken den Großteil der Reichweite ab, aber auch den größten Teil der Konkurrenz – Klickpreise steigen dort seit Jahren strukturell.
Agenturen bündeln ihr Personal meist auf zwei Plattformen, weil sich Wissen dort am besten wiederverwenden lässt – nicht, weil andere Plattformen grundsätzlich schlechter wären.
In bestimmten Branchen liefern Microsoft Ads, LinkedIn, Pinterest oder Nischen-Portale nachweislich niedrigere Kosten pro Abschluss, oft bei deutlich geringerem Werbedruck.
Ob sich eine zusätzliche Plattform lohnt, lässt sich mit kleinem Testbudget innerhalb weniger Wochen belastbar prüfen.
Zwei Plattformen, ein Markt
Fragt man zehn Agenturen nach ihrem Leistungsangebot, bieten neun davon Google Ads und Meta Ads an. Manche ergänzen LinkedIn für B2B-Kunden. Die übrigen Plattformen – Microsoft Ads, Pinterest, TikTok Ads außerhalb des E-Commerce, Reddit, Snapchat, programmatische Display-Netzwerke, branchenspezifische Portale – kommen in den seltensten Fällen vor, unabhängig davon, ob sie zum Angebot des Kunden passen würden.
Das ist keine böswillige Entscheidung. Es ist eine wirtschaftliche. Google und Meta bündeln zusammen den größten Teil des weltweiten Werbebudgets, entsprechend groß ist die Nachfrage nach Spezialisten für genau diese beiden Systeme. Wer eine Agentur mit zwanzig Mitarbeitenden führt, baut sein Team folgerichtig um diese Nachfrage herum.
Gleichzeitig verbringen Nutzer ihre Zeit längst nicht mehr nur auf zwei Plattformen. Berufliche Recherche findet auf LinkedIn statt, Kaufinspiration auf Pinterest, Fachdiskussionen auf Reddit, Desktop-Suche mit anderer Zielgruppenstruktur bei Bing. Das Werbeangebot der meisten Agenturen hat mit dieser Aufteilung nicht Schritt gehalten – es bildet weiterhin ab, wo die Nachfrage nach Betreuung am größten ist, nicht, wo die Zielgruppe eines konkreten Kunden tatsächlich sitzt.
Die beiden Plattformen lösen unterschiedliche Probleme: Google erntet vorhandene Nachfrage, Meta erzeugt sie. Wann welche Wahl richtig ist – und wann beide.
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Warum die Konzentration auf zwei Plattformen ein Problem erzeugt
Was für die Agentur wirtschaftlich sinnvoll ist, muss für den Werbetreibenden nicht optimal sein. Google Ads und Meta Ads sind genau deshalb teuer, weil dort die meiste Konkurrenz stattfindet. Jedes Unternehmen, das um dieselben Suchbegriffe oder dieselben Zielgruppenmerkmale bietet, treibt den Preis für alle anderen mit hoch. Die Klickpreise vieler Branchen sind in den vergangenen Jahren spürbar gestiegen, ohne dass sich am zugrunde liegenden Suchvolumen viel geändert hätte.
Nischenplattformen funktionieren nach derselben Auktionslogik, nur mit weniger Teilnehmern. Weniger Nachfrage nach Werbeflächen bedeutet niedrigere Preise – vorausgesetzt, es gibt auf der Plattform überhaupt genug Nutzer mit Interesse an der beworbenen Leistung. Genau diese Prüfung fällt aus, wenn eine Agentur eine Plattform gar nicht erst anbietet.
Welche Nischenplattformen infrage kommen
Plattform
Besonders geeignet für
Typischer Vorteil
Microsoft Ads (Bing)
B2B, ältere Zielgruppen, Desktop-lastige Branchen
Deutlich geringere Konkurrenz bei ähnlicher Kaufabsicht wie Google
Reichweite außerhalb der großen Plattform-Ökosysteme
Keine dieser Plattformen ersetzt Google oder Meta vollständig. Sie ergänzen sie dort, wo die Zielgruppe tatsächlich Zeit verbringt und wo noch nicht jeder Wettbewerber inseriert.
Warum Agenturen diese Plattformen trotzdem meiden
Drei Gründe wiederholen sich in nahezu jedem Gespräch mit Agenturinhabern. Erstens die Lernkurve: Jede zusätzliche Plattform bringt ein eigenes Auktionssystem, eigene Zielgruppen-Werkzeuge und eigene Fehlerquellen mit. Ein Team, das auf Google und Meta eingespielt ist, verliert bei einer sechsten Plattform Effizienz, bis die Routine sitzt – und diese Zeit lässt sich schwer abrechnen.
Zweitens die Personaldecke. Kleine und mittlere Agenturen beschäftigen selten Spezialisten für mehr als zwei oder drei Systeme. Ein Media Buyer, der Google, Meta, LinkedIn und Microsoft Ads gleichzeitig auf hohem Niveau betreut, ist die Ausnahme, nicht die Regel.
Drittens die Vertragslogik. Viele Agenturhonorare orientieren sich am verwalteten Mediabudget. Ein zusätzlicher Kanal mit kleinerem, aber effizienterem Budget lohnt sich für die Agentur unter diesem Modell oft weniger als ein größeres Budget auf der bereits bekannten Plattform, selbst wenn der Kunde davon mehr profitieren würde. Ähnliche Anreizfragen bei der Wahl zwischen Agentur, Inhouse-Team und Software behandelt Agentur, Inhouse oder Software.
Ein vierter Grund wird seltener ausgesprochen: das Reporting. Fünf Plattformen bedeuten fünf Dashboards mit unterschiedlichen Kennzahlendefinitionen, die für einen sauberen Monatsbericht erst zusammengeführt werden müssen. Bei zwei Plattformen lässt sich das noch von Hand pflegen, bei fünf wird daraus ein eigenes kleines Projekt – und genau dieses Projekt fällt in vielen Agenturen dem laufenden Tagesgeschäft zum Opfer.
Ein Rechenbeispiel
Ein B2B-Dienstleister mit einem monatlichen Google-Ads-Budget von 6.000 Euro zahlt für die relevanten Suchbegriffe durchschnittlich 14 Euro pro Klick, bei einer Conversion-Rate von 4 Prozent ergibt das 350 Euro pro Lead. Dieselben oder sehr ähnliche Suchbegriffe kosten auf Microsoft Ads häufig 30 bis 50 Prozent weniger, bei vergleichbarer Kaufabsicht der Nutzer, weil dort schlicht weniger Wettbewerber bieten.
Bei 6.000 Euro Budget und einem Klickpreis von 9 statt 14 Euro entstehen bei gleicher Conversion-Rate spürbar mehr Leads für dasselbe Geld. Der Effekt ist nicht garantiert – das Suchvolumen auf Microsoft Ads liegt in Deutschland deutlich unter dem von Google, weshalb sich damit selten das gesamte Budget verschieben lässt. Aber ein Teil davon, sauber getestet, macht in vielen Fällen einen messbaren Unterschied in den durchschnittlichen Kosten pro Abschluss, siehe auch ROAS berechnen.
Wo Nischenplattformen tatsächlich mehr bringen
Am deutlichsten zeigt sich der Effekt bei drei Konstellationen. Erstens bei B2B-Angeboten mit klar definierter Zielgruppe: LinkedIn erlaubt eine Filterung nach Position und Unternehmensgröße, die auf Meta nur über Umwege annähernd erreichbar ist. Zweitens bei visuell geprägten Produkten mit langer Entscheidungsphase, etwa Einrichtung oder Garten- und Landschaftsbau: Pinterest-Nutzer suchen aktiv nach Inspiration und sind entsprechend aufnahmebereit. Drittens bei Branchen mit älterer oder technikaffiner Desktop-Zielgruppe, wo Microsoft Ads traditionell unterschätzt wird.
Nicht jede Branche profitiert gleich stark. Ein Angebot mit sehr breiter, unspezifischer Zielgruppe findet auf Nischenplattformen oft schlicht zu wenig Volumen, um eine Kampagne wirtschaftlich zu betreiben. Die Prüfung lohnt sich trotzdem, weil die Kosten eines vierwöchigen Tests überschaubar sind, verglichen mit dem möglichen Ertrag.
Die Grenzen von Nischenplattformen
Weniger Konkurrenz bedeutet nicht automatisch bessere Ergebnisse. Kleinere Plattformen haben kleinere Reichweite, was die maximal erreichbare Lead-Menge begrenzt. Manche Zielgruppen sind dort schlicht nicht vertreten. Und jede zusätzliche Plattform bringt eigenen Aufwand für Tracking und Auswertung mit, der sich ebenfalls in der Gesamtrechnung niederschlagen muss, siehe Kampagnenstruktur, die skaliert.
Eine Nischenplattform lohnt sich deshalb nicht, weil sie neu oder unbekannt ist, sondern nur, wenn die Zielgruppe dort nachweislich aktiv ist und das erreichbare Volumen zum Wachstumsziel passt. Wer diesen Test überspringt und blind auf jede neue Plattform setzt, verschiebt das ursprüngliche Problem nur von zwei überlaufenen Kanälen auf fünf schlecht betreute.
Hinzu kommt der Creative-Aufwand. Ein Anzeigenformat, das auf Meta funktioniert, lässt sich selten unverändert auf Pinterest oder LinkedIn übertragen – die Formate, Bildformate und Tonalitäten unterscheiden sich, und ohne angepasste Creatives bleibt auch die beste Zielgruppenauswahl wirkungslos.
Wie sich der Test in der Praxis durchführen lässt
Ein kleines Budget reservieren, typischerweise 10 bis 15 Prozent des Gesamtbudgets, siehe auch Marketingbudget planen.
Eine Plattform auswählen, deren Nutzerprofil zur Zielgruppe passt, nicht die günstigste oder trendigste.
Bestehende Landingpage und Tracking-Setup übernehmen, um Vergleichbarkeit mit den etablierten Kanälen herzustellen.
Mindestens vier Wochen laufen lassen, bevor eine Entscheidung fällt – kürzere Testphasen liefern selten belastbare Zahlen.
Kosten pro Abschluss gegen die bestehenden Kanäle stellen, nicht Klickpreise oder Impressionen.
Warum sich das ohne zusätzliches Personal umsetzen lässt
Der eigentliche Engpass ist selten das fehlende Budget, sondern die fehlende Kapazität, eine weitere Plattform sauber zu betreuen. Genau hier verschiebt sich die Rechnung, sobald Kampagnensteuerung nicht mehr an die Zahl der verfügbaren Spezialisten gekoppelt ist, sondern an ein System, das mehrere Plattformen gleichzeitig auswertet und Budget dorthin verschiebt, wo es aktuell am meisten bringt – wie es Cross-Plattform Budget-Optimierung beschreibt. Ein zusätzlicher Kanal bedeutet dann nicht mehr zwangsläufig ein zusätzliches Teammitglied, sondern eine zusätzliche Datenquelle, die in dieselbe laufende Steuerung einfließt.
Wie LeadRaum das umsetzt
LeadRaum bindet neben Google Ads und Meta Ads auch Plattformen wie Microsoft Ads und LinkedIn Ads an dieselbe Steuerung an, statt sie als separates Zusatzprojekt zu behandeln. Ob sich eine Nischenplattform für ein bestimmtes Angebot lohnt, wird mit begrenztem Testbudget geprüft und anhand der Kosten pro Abschluss bewertet, nicht anhand von Bauchgefühl oder Trendberichten. Läuft eine Plattform gut, bekommt sie mehr Budget. Läuft sie nicht, wird sie ohne langes Ringen um Sunk Costs wieder eingestellt. Bei einem komplett neuen Kanal wie ChatGPT Ads verschärft sich dieses Problem noch, weil direkter Zugang zum Konto bislang großen Unternehmen vorbehalten bleibt, siehe ChatGPT Ads Agentur: LeadRaum im Überblick.
Für Unternehmen, die spüren, dass Google und Meta allein die Kosten pro Abschluss nicht mehr in vertretbarem Rahmen halten, ist die Prüfung einer dritten oder vierten Plattform meist der nächste sinnvolle Schritt – vorausgesetzt, jemand übernimmt tatsächlich die laufende Betreuung. Genau das ist der Unterschied zwischen einer Agentur, die zwei Plattformen gut betreut, und einem Ansatz, der so viele Plattformen betreut, wie für das jeweilige Angebot tatsächlich sinnvoll sind.
Bereit für 37%mehrConversions?
LeadRaum erzielt mit automatisierter Werbeschaltung im Schnitt 37 % mehr Conversions als bei durchschnittlichen Agenturleistungen.
Weil sich Personal, Prozesse und Wissen für diese beiden Plattformen am besten skalieren lassen und die Nachfrage nach genau diesen Spezialisten am größten ist. Zusätzliche Plattformen erhöhen den Betreuungsaufwand, ohne dass sich das im üblichen Honorarmodell immer proportional lohnt.
Nicht automatisch, aber häufig – weil dort weniger Werbetreibende um dieselbe Zielgruppe bieten. Der Effekt hängt stark von Branche und Zielgruppe ab und lässt sich nur durch einen Test verlässlich einschätzen.
Das hängt vom Nutzerverhalten der Zielgruppe ab: LinkedIn für klar definierte B2B-Zielgruppen, Pinterest für visuell geprägte Produkte mit Planungsphase, Microsoft Ads für Branchen mit älterer oder technikaffiner Zielgruppe. Eine pauschale Empfehlung gibt es nicht.
Mindestens vier Wochen, bei kleineren Budgets eher sechs bis acht. Kürzere Zeiträume liefern zu wenige Conversions, um Kosten pro Abschluss verlässlich zu bewerten.
Ja, wenn ein Teilbudget von 10 bis 15 Prozent für den Test reserviert wird. Ein kompletter Wechsel des gesamten Budgets ohne vorherigen Test ist dagegen selten sinnvoll.
Nicht zwingend. Systeme, die mehrere Plattformen gleichzeitig auswerten und Budget automatisch verschieben, reduzieren den zusätzlichen Personalaufwand pro Kanal erheblich.